Bio Landbau – was steckt dahinter?

{enthält unbeauftragte Werbung / Infomaterial / Verlinkungen aus Überzeugung}

Neues Jahr, gute Vorsätze, Dinge die wir ändern wollen, Dinge die wir ändern sollten und was einem so alles zum Jahreswechsel einfällt.
Ein immer wichtig werdendes Thema möchte ich für mich, für uns, in diesem Jahr ändern.
Ich möchte mehr auf regionale Lebensmittel zurückgreifen.
Ich möchte weiter Müll vermeiden und reduzieren.
Ich möchte mehr auf das Bio Siegel achten und die Landwirte unterstützen.
Ich möchte Fleisch von Tieren essen, die es gut hatten.
Ich möchte……… nein, ich will!

Na klar! Wir wollen alle Bio Lebensmittel. Lebensmittel ohne Schadstoffe, gesund und lecker, aus regionalem Anbau und für einen vernünftigen Preis. Die Landwirte sollen entsprechend entlohnt werden, die Tiere unter guten Bedingungen gehalten werden. Alles in einer großen rosa Wolke?

Die Realität sieht für die meisten doch sehr viel bescheidener aus. Große Sprüche kloppen und dann im Discounter Fleisch und Gemüse zu Schleuderpreisen in den Wagen laden. Kannste jeden Tag beobachten, dazu kommt noch der ganze Verpackungsmüll, weil jeder Scheiß noch ein bis zwei mal in Folie verpackt wird. Oh wie ich das hasse! Dazu komme ich später nochmal.

Der Wunsch auf Regionalität, Bio Lebensmittel und Fleisch von Biohöfen steht also im Raum. Aber was verbirgt sich dahinter? Schon mal Gedanken darüber gemacht, was alles geschieht bevor du ein Schnitzel auf dem Teller hast? Nicht so richtig? Genau so ging es mir auch.

Dann bekam ich (und weitere Bloggerkollegen) die einmalige Möglichkeit mal einen Blick hinter die Kulissen eines Demonstrationshof für ökologischen Landbau zu werfen.
Was verbirgt sich hinter dem dem Schlagwort Bio Landbau und wie greift ein Rädchen im laufenden Betrieb ins nächste.
Diese und viele weitere Fragen sollten beantwortet werden.

An einem richtig kalten Samstagvormittag ging´s los Richtung Kamp-Lintford. Eingeladen hatte das Presseteam der Bio Spitzenköche in Verbindung mit dem Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft kurz BÖLN, die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Bio Spitzenkoch Reiner Hensen und Food Aktivist Hendrik Haase.
Das Bundesprogramm hat das Ziel, die Rahmenbedingungen für die nachhaltige und ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft zu verbessern und so das Angebot von, und die Nachfrage nach ökologisch und nachhaltig erzeugten Produkten zu unterstützen und zu stärken. Dazu werden zum Beispiel zahlreiche Forschungsprojekte initiiert und Wissen zielgruppengerecht zu Informations- und Weiterbildungsangeboten aufbereitet. Das BÖLN wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft finanziert, es ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung.

Vorzeigebtrieb war der Biolandhof Frohnenbruch der Familie Bärbel & Klaus Bird.
Der Tag versprach spannend zu werden, denn nicht nur die Informationen rund um den Biolandbau sollten beantwortet werden, nein, es sollte auch zusammen gekocht und die Produkte des Hofes verabeitet werden. Na, wenn das nicht neugierig macht.

Die Begrüßung war herzlich und freundschaftlich. Man fühlte sich sofort wohl. Ein festlich gedeckter Tisch mit allerlei Leckereien aus eigener Produktion und dem eigenen Hofladen warteten zum Frühstück verspeist zu werden.

Abwechselnd haben sich die oben genannten Gastgeber vorgestellt und kurz ihr Projekt und ihre Ziele erläutert. Schon jetzt war deutlich zu erkennen, dass alle für diese Sache brennen und alle Kraft dafür aufwenden. Meine Neugierde war geweckt, denn wo bekommt man schon mal die Möglichkeit Informationen aus erster Hand zu bekommen und Fragen direkt an der Quelle zu stellen?

Was nützt die ganze Theorie und das Wissen über artgerechte Haltung, wenn man nicht auch das Produkt verarbeitet? Und genau das taten wir zusammen mit Bio Spitzenkoch Reiner Hensen und Metzgermeisterin Bärbel Bird, sowie Eva Bird, der Tochter und ebenfalls Metzgermeisterin.
In ihrer Küche war alles für das Zubereiten eine Festmahls vorbereitet. Wenn ein Tier schon sein Leben für uns lässt, sollte man es auch komplett verwerten. From nose to tail lautet die Devise und so verwerteten wir nicht ganz so populäre Teilstücke vom Rind wie das Schulterscherzel und die Zunge. Aus Schweinebauch wurde ein knuspriger Gaumenschmaus.
Jeder bekam eine Kochschürze und die Aufgaben wurden verteilt. In kürzester Zeit verwandelte sich die Küche in eine Großküche mit entsprechender Geräuschkulisse. Es wurde viel gelacht, erzählt, Fragen gestellt, Pflaster verteilt und gute Ratschläge von den Profis entgegen genommen. Das machte Laune und wir freuten uns schon auf´s Essen, was jetzt noch in Töpfen und Backöfen garte.

Jetzt konnte der Rundgang über den Hof starten. Das ehemalige Rittergut liegt malerisch zwischen Feldern und tiefliegenden Wiesen am Niederrhein und ist ansich schon ein richtiges Schmuckstück. Unglaublich charmant mit moosbewachsenen Treppen, Steinwänden und einem verwunschenen See hinterm Hof.

Als erstes gingen wir zu den Kühen, die uns schon ganz neugierig beäugten.
Im offenen Stall hält Klaus Bird – staatlich geprüfter Landwirt, Betriebsleiter und für die Landwirtschaft zuständig, die Rinder. Mütter und Kälber dürfen hier gemeinsam ihre Zeit verbringen. Auch hier herrscht entspannte Atmosphäre. Die Tiere sind das ganze Jahr draussen, nur im Winter kommen sie in eine offene Halle um ein wenig Schutz zu haben, denn mit dem Futter, dem Futteranbau und den Wiesen muss alles gut geplant sein.
Wir lernten, dass die ganze Haltung der Tiere mit Futter und allem was dazu gehört ein stetiger Kreislauf ist.
Der Biolandhof Frohnenbruch ist in der Lage ohne Zukauf von weiteren Futtermitteln, alle seine Tiere aus eigener Kraft zu versorgen. Dazu gehört jahrelange Erfahrung und ein ausgeklügeltes System, in welcher Abfolge Futter angebaut und geerntet wird. Das war beeindruckend.

Wir liefen zur großen Wiese auf der die Legehennen ihr Zuhause hatten.
Da großer Wert auf Hygiene gelegt wird, bekamen wir Schutzüberzüge für die Schuhe um keine eventuell fremden Krankheitserreger einzuschleppen.
Die Hühner wohnen sehr komfortabel in 2 mobilen Anhängern, haben sehr viel Auslauf und können sich an der frischen Luft frei bewegen..
Die Tiere waren mega entspannt und überhaupt nicht scheu. Sehr neugierig beäugten sie uns Besucher.

Wir sammelten noch Eier ein…..ich verweise auf das rosa Ei für Letti…… und es ging wieder zurück Richtung Hof. Da kamen wir einer weiteren Behausung vorbei, der für die Hähnchen.
Auch idyllisch mit mega Auslauf unter uralten Bäumen.
Im Vergleich zu den Hähnchen sind die Brüder der Legehennen weniger profitabel. Sie legen keine Eier, bilden weit weniger Brustmuskulatur aus, die Aufzucht dauert länger und das führt in den Massenbetrieben dazu, dass die Bruderhähne kaum geboren, wieder getötet werden.
Im Bio Landhof Frohnenbruch geht man einen anderen Weg, da man hier auch die Bruderhähne groß zieht und als Brathähnchen verkauft. Der Mehraufwand für deren Aufzucht wird durch den etwas höheren Verkaufspreis der Bio Eier kompensiert. Ich persönlich begrüße das, denn das Schreddern der männlichen Küken in Großbetrieben finde ich grausig. Schlimm genug, dass es noch ewig dauern wird, bis das in Deutschland verboten ist.

Beeindruckt vom Konzept des Biolandhofes statteten wir den Schweinen noch einen Besuch ab.
Auf dem Weg dahin konnten wir noch einen Blick in die Kinderstube der Hühner werfen. Kleine gelbe plüschige Federbälle genossen die Wärme und wuselten in ihrem Stall durcheinander.

Paul Bird – der Sohn von Bärbel und Klaus ist gelernter Landwirt und demnächst staatlicher Agrarbetriebswirt, Fachrichtung ökologischer Landbau, hat mit zwei kleinen Schweinchen angefangen und sein Hobby weiter ausgebaut.
Auch die Schweine werden unter besten Bedingungen gehalten. Genügend Auslauf, einen Innen- und Aussenbereich, Platz zum Laufen, Spielen und ein Schlafplatz. Und wenn Du auch nicht glauben magst, Schweine sind sauberer als man denkt. Werden die Tiere so gehalten, dann sieht es auch nicht aus wie „im Schweinestall“, denn Schweine verrichten ihr Geschäft niemals im Wohnzimmer……. verstehste? Berührungsängste hatten die Schweine nicht, sie ließen sich bereitwillig durch den Zaun kraulen und stubsten mit ihren feuchten Nasen an den Händen an. Was soll ich sagen? Auch hier nur entspannte Tiere.

Zusammenfassend kann ich sagen: Bio ? Ja, gerne! Die entspannte Atmosphäre, die Abläufe in der Zucht und im Betrieb laufen wie ein gut geölte Maschine. Das überzeugt.
Ich persönlich finde es schade, dass der Hof so weit von meinem Wohnort entfernt ist. Würde ich in der Nähe wohnen, ich wüßte wo ich einkaufen gehe.

Der Hofladen war für uns extra noch länger geöffnet und so erledigte der eine oder andere seinen Einkauf. All die feinen Wurst- und Fleischwaren, Obst, Gemüse, Eier, wer konnte da widerstehen?

In der Zwischenzeit hatten Heinzelmännchen das Essen fertig gemacht und der Duft verhieß nur Gutes. Wir starteten das gemeinsame Essen und es einfach nur köstlich. Ich fasse es mal kurz zusammen.
Vorspeise:
Schulterscherzel und Rinderzunge mit Gemüsevinaigrette, Rote Bete und Feldsalat mit Walnüssen und Birnen

Hauptgang:
Knuspriger Schweinebauch mit Pflaumensoße, Kartoffelklößen und Rotkohl

Dessert:
Karamellisierte Tarte Tatin mit Äpfeln und Vanilleeis

Das war ein rundum gelungener Tag!
Ich habe viel über die artegerechte Tierhaltung gelernt. Wie so ein Hof organisiert ist mit Futter und den Tieren, das war vielen vorher gar nicht so bewußt, das hat ebenfalls beeindruckt.
Ich hoffe, dass der eine oder andere mit einer erweiterten Sicht auf die Nahrungquellen beim nächsten Einkauf ein wenig mehr Wert auf die Herkunft und das Tierwohl legt.
Ich möchte euch neugierig machen, neue Wege zu beschreiten. Es lohnt sich definitiv mal über den Tellerrand zu schauen und in die Zukunft zu investieren.

Über den Tag am Biolandhof Frohnenbruch gibt es ein ganz tolles Video, das ich euch ans Herz legen möchte. Schaut mal rein.

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kurze Version

Ökolandbau was steckt dahinter

Die Bio Spitzenköche, wer sind die? Was machen die? Was steckt dahinter?
Diese Köche haben sich dazu entschlossen, Gourmetküche ausschließlich aus ökologisch erzeugten Lebensmitteln anzubieten. Seit 2003 unterstützen sie damit eine nachhaltige Landwirtschaft, die Natur und Klima schont. Auf Events für unterschiedlichstes Publikum (Kitas, Schulen, Kliniken, Messen, etc zeigen sie, dass verantwortungsvolle Lebensweise und Genuß und Lebensfreude durchaus zusammenpassen.
Die Bio Spitzenköche sind auch ein Teil des Bundesprogrammes Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft kurz BÖLN, initiiert un finanziert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft BMEL.
Schaut doch mal vorbei: https://biospitzenkoeche-blog.de

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